Warum gute Vorsätze oft nicht tragen – und was stattdessen möglich wird
Warum der Jahresanfang so viele Vorsätze hervorbringt
Der Jahresanfang hat etwas Verlockendes. Etwas, das sagt: Jetzt könnte es anders werden.
Mehr Gelassenheit vielleicht.
Weniger Reizbarkeit.
Mehr Raum für das, was nährt.
Und gleichzeitig mischt sich bei vielen ein leiser Zweifel darunter. Nicht laut. Nicht dramatisch. Eher so ein inneres Wissen: Ich habe mir schon oft etwas vorgenommen.
Nicht, weil diese Vorsätze falsch wären. Sondern weil sie sich oft anfühlen wie Aufträge an uns selbst: Ich sollte gelassener sein. Ich müsste besser reagieren. Ich will endlich anders werden. Und genau dort wird es eng.
Wenn gute Vorsätze zu innerem Druck werden
Mir fällt auf, dass viele Vorsätze aus einem Mangel heraus entstehen. Aus dem Blick auf etwas, das noch nicht stimmt. Noch nicht reicht. Noch nicht so ist, wie wir es gern hätten. Und ja, das ist schon auch meine Erfahrung. Doch Druck alleine reicht oft nicht aus für Veränderung. Etwas fehlt manchmal: innere Ausrichtung.
Innere Ausrichtung statt Selbstoptimierung
Ausrichtung ist leiser als ein Ziel. Und weniger fordernd als ein Vorsatz. Sie weiss nicht genau, wie etwas gehen soll. Aber sie spürt ziemlich klar, wohin es sich bewegen möchte.
Nicht als Plan. Eher als innere Neigung.
Schlecht verlieren können – was Spiele über uns zeigen
In einem Gespräch – ganz alltäglich, fast nebenbei – tauchte in der aktuellen Podcastfolge von DenkSeiDank ein Thema auf, das viele kennen. Dieses innere Zusammenziehen, wenn wir verlieren. Nicht laut. Nicht ausfallend. Aber spürbar.
Ein Spiel. Und gleichzeitig viel mehr als das. Da ist dieser Moment, in dem ich merke:
So möchte ich eigentlich nicht reagieren. Nicht aus moralischem Anspruch. Sondern weil es der Beziehung nicht guttut. Und daraus entstand der Wunsch, mich für den anderen freuen zu können. Nicht nur mit Worten. Sondern wirklich.
Das ist kein klassischer Vorsatz. Das ist eine innere Ausrichtung.
Wie Veränderung entsteht, wenn wir früher innehalten
Ausrichtung meint nicht, dass wir es sofort können. Oder dass es sich gleich gut anfühlt. Sie bedeutet eher: Ich bemerke mich früher. Ich bleibe einen Moment länger. Ich reagiere nicht sofort.
Nicht, weil ich es mir verbiete. Sondern weil etwas in mir wacher wird.
Warum Aufmerksamkeit Wirkung hat
Manche nennen diesen Prozess Manifestieren. Andere sprechen von Fokus oder Zielklarheit. Mir ist weniger der Begriff wichtig als das, was dahinter liegt: Dass Aufmerksamkeit Wirkung hat. Dass das, womit wir innerlich in Beziehung gehen, sich verstärkt. Nicht automatisch. Nicht perfekt. Aber spürbar.
Ein anderer Blick auf Neujahrsvorsätze
Nicht, anders zu sein. Sondern aufmerksamer da zu sein, wenn es eng wird. Im Spiel. Im Gespräch. Im Alltag. Und von dort aus – langsam, unaufgeregt – eine andere Haltung einzuüben.
…
Manche Gedanken entfalten sich erst im Gespräch. Dieser hier ist genau so entstanden. In der aktuellen Folge von DenkSeiDank nehmen wir uns Zeit dafür. Wir bleiben bei den inneren Bewegungen, lassen Pausen zu und denken gemeinsam weiter. Wenn du diesen Faden hörend aufnehmen möchtest, findest du die Folge dort, wo du sonst auch zuhörst.
DenkSeiDank
Ein Podcast von Béatrice Heller & Karin Landolt
Gespräche, die nicht erklären – sondern Denken ermöglichen.