Schreib-Werkstatt
29. Juli 2025
Mein Buch über ‘Achtsamer Dialog im MBSR’ (Mindfulness-Based Stress Reduction) wächst - langsam, bewusst - und du kannst dabei sein….
……und davon inspiriert entsteht ein mehrteiliges Programm zur Erforschung der eigenen Kommunikationsmuster.
Ich biete dir hier jeweils Einblicke ins Schreib- & Webinarprojekt an, stelle dir vielleicht Fragen. Und mich interessieren Deine Gedanken dazu sehr.
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Es hat ne Weile gedauert, bis ich den Mut fand, mein Buchprojekt wieder hervorzunehmen. Es soll sich um die achtsame Dialogpraxis im MBSR drehen – um das sogenannte Inquiry, also jene Gesprächsform im Kurs, in der wir gemeinsam Erfahrungen aus der Meditation und dem Leben betrachten und erforschen.
Lange dachte ich, ich würde ein Buch über Inquiry schreiben. Beim Schreiben merke ich nun noch etwas anderes: Eigentlich schreibe ich über Zuhören.
Über die Art des Zuhörens, die im MBSR-Unterricht entsteht, wenn wir nicht sofort erklären, korrigieren oder interpretieren, sondern zuerst einmal anerkennen, was gerade da ist. Angenehme Erfahrungen, unangenehme Erfahrungen oder auch ganz unscheinbare Beobachtungen – sie alle sind gleichwertig im Feld der Achtsamkeit.
Während ich schreibe, überprüfe ich gleichzeitig meine eigene Praxis: Woran orientiere ich mich eigentlich, wenn ich im Kurs zuhöre und antworte?
Je länger ich darüber nachdenke, desto deutlicher wird mir, dass im Hintergrund hauptsächlich jene einfachen, aber tiefgehenden Gesetzmässigkeiten wirken, die in der buddhistischen Tradition als die vier edlen Wahrheiten beschrieben werden: das Erkennen von Leiden, das Verstehen seines Entstehens, die Möglichkeit von Befreiung und der Weg dorthin.
Diese Einsichten sind für mich weniger Theorie als eine Art Hörbrille geworden. Durch sie lausche ich den Rückmeldungen der Kursteilnehmenden – manchmal staunend, manchmal berührt, manchmal auch unsicher, wie der nächste Schritt im Gespräch aussehen könnte.
In dieser Schreib-Werkstatt möchte ich von Zeit zu Zeit Einblicke in diesen Prozess teilen: Gedanken, Fragen, vielleicht auch kleine Textausschnitte aus dem entstehenden Buch.
Denn Schreiben fühlt sich für mich ein wenig an wie Meditation: Ich weiss nie genau, was im nächsten Moment auftaucht – und ich bemühe mich, neugierig dabeizubleiben….
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Ich habe in den letzten Tagen den ersten MBSR-Kurstermin meines Buches bearbeitet. Und dabei etwas entdeckt, das ich so klar noch nie gesehen habe.
Ich dachte lange, Inquiry beginne dort, wo wir anfangen, Fragen zu stellen. Doch beim erneuten Hören einer Aufnahme wurde deutlich: Es beginnt viel früher.
In der ersten Stunde geschieht nämlich etwas sehr Entscheidendes – noch bevor wir überhaupt beginnen, Erfahrungen zu erforschen.
Menschen erzählen, weshalb sie da sind.
Sie sprechen vielleicht zum ersten Mal in einer Gruppe über das, was sie beschäftigt, belastet oder bewegt.Und sie beobachten – oft ganz still:
Werde ich unterbrochen? Wird mein Gesagtes eingeordnet oder verbessert? Oder darf es einfach stehen bleiben?Mir wurde bewusst, wie sehr diese erste Stunde den Boden bereitet. Wie ein Gärtner, der das Beet vorbereitet, bevor er sät.
Ich merke beim Schreiben, wie viel in diesem „Nicht-Tun“ liegt: nicht unterbrechen, nicht zusammenfassen, nicht interpretieren. Einfach zuhören.
Vielleicht beginnt genau dort das, was wir später Inquiry nennen. Nicht mit einer Frage. Sondern mit der Erfahrung, dass das, was da ist, gesagt werden darf.
Ich schreibe weiter – und merke, dass sich mein Buch immer mehr von der Frage entfernt, wie man gute Fragen stellt.
Und sich hinbewegt zu etwas anderem: Wie entsteht ein Raum, in dem Menschen beginnen, ihre Erfahrung überhaupt auszusprechen?
Vielleicht ist das der Anfang von allem.
Und beim Lesen taucht eine eigene Frage auf: Wo erlebe ich solche Räume?
Ich bleibe dran.
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