Du hast mir das schon einmal erzählt

Wenn Wiederholungen ungeduldig machen

„Du hast mir das schon einmal erzählt.“
Vielleicht kennst du diesen inneren Satz. Er taucht auf, noch bevor er ausgesprochen ist. Ein leichtes Weggleiten der Aufmerksamkeit. Ein Hauch von „Schon wieder“. Ich kenne das auch. Wiederholungen haben mich zeitweise ermüdet. Ich habe sie als Kreisen verstanden. Als etwas, das keinen neuen Gehalt mehr hat. Und doch liess mich diese Reaktion irgendwann nicht mehr ganz in Ruhe.

Eine Erfahrung, die mich verändert hat
Als mein Vater im Altersheim lebte, erzählte er manche Geschichten mehrmals. Manchmal innerhalb kurzer Zeit.
Ich wusste, was jetzt kommen würde. Ich hätte sagen können: „Das hast du mir schon erzählt.“ Stattdessen begann ich – eher zögerlich als heldenhaft – genauer hinzuhören.

Und ich merkte: Es war nie ganz dieselbe Geschichte. Ein Detail verschob sich. Ein Wort bekam mehr Gewicht. Ein Blick blieb länger stehen. Vor allem aber war ich nicht dieselbe. Mal weich und offen, mal unter Zeitdruck, mal innerlich schon beim nächsten Termin. Und da begann sich etwas zu verschieben.

Vielleicht ist es keine Wiederholung
Heute frage ich mich bei solchen Momenten eher: Ist da etwas noch nicht gehört worden? Ist etwas besonders wichtig? Sucht mein Gegenüber Resonanz? Oder war ich gerade nicht wirklich da?

Wiederholung kann vieles sein. Ein Zeichen von Unsicherheit. Ein Zeichen von Bedeutung. Ein Versuch, sich selbst zu vergewissern. Oder schlicht der Wunsch, gesehen und gehört zu werden. Diese Fragen haben meine Ungeduld nicht einfach verschwinden lassen. Aber sie haben sie verwandelt. Sie haben mir einen anderen Zugang eröffnet.

Natürlich gibt es Wiederholung auch als Strategie – in Politik oder Marketing wissen wir, wie wirksam sie sein kann. Doch im persönlichen Gespräch interessiert mich vor allem die Beziehung.

Präsenz ist eine Entscheidung
Ich habe gemerkt: Es genügt nicht, höflich interessiert zu wirken. Präsenz ist keine Technik. Sie ist eine Entscheidung. Es fühlt sich nach einer leisen inneren Ausrichtung an: Jetzt. Hier. Mit dir.

Manchmal hilft mir eine einfache Frage: Was daran ist dir gerade besonders wichtig? Nicht als Methode, sondern aus ehrlichem Interesse. Und manchmal geschieht dann etwas Unerwartetes. Die Geschichte bekommt Tiefe und endet sogar manchmal von selbst.

Und wenn ich es wirklich schon kenne?
Natürlich gibt es Momente, in denen ich die Geschichte kenne – und meine Aufmerksamkeit nicht reicht. Auch das gehört dazu. Vielleicht geht es weniger darum, ob etwas neu ist, sondern wie ich mit meiner eigenen Ungeduld umgehe. Ob ich sie als Hinweis verstehe.

In unserer Podcastfolge 25 von DenkSeiDank haben Karin Landolt und ich das Thema Wiederholungen aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Mich begleitet vor allem diese Frage weiter:

Was verändert sich, wenn ich nicht zuerst den Inhalt bewerte – sondern meine eigene Präsenz prüfe? Vielleicht ist Wiederholung nicht das Problem. Vielleicht ist sie ein Prüfstein für unsere Präsenz. Wenn dir der Gedanke begegnet: „Das habe ich doch schon gehört“ – magst du einen Moment länger bleiben? Nicht aus Pflicht oder aus Höflichkeit. Sondern aus Würde.

Vielleicht verändert sich nichts am Gesagten. Aber etwas im Zuhören. Und manchmal genügt genau das.


Wenn dich diese Gedanken weiterführen, findest du in Folge 25 von DenkSeiDank unser gemeinsames Weiterdenken dazu.

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